Glaubenssätze, die dich heute blockieren

„Ich habe mich so geschämt.“

Meine Klientin sitzt mir gegenüber und schaut auf ihre Hände. Drei Tage ist ihre Präsentation her. Fachlich hatte sie alles im Griff. Wochenlang vorbereitet. Jede Folie saß.

„Und dann?“, frage ich.

„Dann stand ich da. Mein Herz hat gerast, meine Stimme hat gezittert. Und die ganze Zeit lief in meinem Kopf dieser eine Satz: Das wird wieder peinlich – was denken die anderen bloß über mich?

Sie schaut auf. „Ich verstehe mich selbst nicht. Ich weiß doch, dass ich das kann.“

Kennst du das?

Du bist vorbereitet. Du weißt genau, was du sagen willst. Und trotzdem macht dein Körper sein eigenes Ding – dein Angst-Automatismus geht schon wieder los und pumpt Cortisol durch dein System.

Dann läuft in dir gerade ein sehr altes Programm. Und das Gute daran: Programme lassen sich ändern.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du hinderliche Glaubenssätze erkennen und lösen kannst – anhand einer echten Geschichte aus meiner Praxis und mit fünf Schritten, die du heute noch ausprobieren kannst.

Was in diesem Moment wirklich passiert

Ein Glaubenssatz ist eine Regel, die dein System sich irgendwann selbst gegeben hat. Nicht bewusst. Nicht aus Schwäche. Sondern um dich zu schützen.

Stell dir einen inneren Bodyguard vor. Er hat vor vielen Jahren miterlebt, wie schrecklich sich eine bestimmte Situation angefühlt hat. Seitdem hat er einen Auftrag: „So etwas lassen wir nie wieder zu.“

Das Problem ist nicht, dass er da ist. Das Problem ist, dass er seit damals nichts dazugelernt hat.

Er schlägt heute noch genauso heftig Alarm wie am ersten Tag. Nur steht vor dir jetzt nicht mehr das Publikum von damals – sondern acht Kolleginnen im Meetingraum.

Und er meldet sich nie mit den Worten: „Achtung, ich beschütze dich gerade vor etwas sehr Altem.“

Er sagt einfach: Das wird wieder peinlich.

Deshalb klingt so ein Satz nie wie eine Meinung. Er klingt wie eine Tatsache.

„Ich will hier weg“ – woher der Satz kommt

Zurück zu meiner Klientin.

„Wann hat sich das zum ersten Mal so angefühlt?“, frage ich sie.

Sie überlegt lange. Dann: „Ich glaube, ich war neun. Ich sollte vor Verwandten Klavier vorspielen.“

„Und?“

„Ich habe mich verspielt. Ein paar Mal.“

„Hat jemand gelacht?“

Sie schüttelt den Kopf. „Nein. Keiner hat irgendetwas gesagt.“ Pause. „Aber ich wollte nur noch weg. Einfach raus aus diesem Zimmer.“

Da war er.

Niemand hatte sie beschämt. Niemand hatte sie ausgelacht. Es brauchte kein Drama, keine böse Person, keine große Verletzung.

Es brauchte nur ein Gefühl, das so unangenehm war, dass ihr System daraus eine Regel gemacht hat:

Alle Augen auf mich = „Ich will hier weg.“

Diese Regel hat sie zwanzig Jahre lang begleitet. In andere Räume, vor anderes Publikum, in ein völlig anderes Leben. Ihr innerer Bodyguard hat jedes Mal zuverlässig Alarm geschlagen – und jedes Mal dieselbe Warnung ausgegeben: Das wird wieder peinlich.

Als sie diesen Zusammenhang erkannte, veränderte sich etwas in ihrem Gesicht.

„Das war das Klavier?“, fragte sie. „Das ist alles?“

Ja. Das war alles.

Wir haben die Situation von damals mit Hilfe ihres Unterbewusstseins befrieden können. Die Erleichterung kam sofort – körperlich, nicht als Gedanke.

Präsentationen machen ihr heute keine Angst mehr.

Meine eigene Formel hieß anders

Ich kenne diesen Mechanismus nicht nur aus dem Coachingstuhl.

Ich wurde als Kind und Jugendliche jahrelang gemobbt und ausgelacht. Mein System hat daraus eine sehr einfache Rechnung gemacht:

Nichts sagen = nicht leiden.

Ein kluger Deal, ehrlich gesagt. Für ein Kind, das sich nicht wehren konnte, war das die beste verfügbare Lösung.

Nur habe ich diesen Deal nie gekündigt. Jahrzehntelang nicht. Er lief weiter als Redeangst: zitternde Stimme, Erröten, Herzrasen, schlaflose Nächte vor jeder Präsentation.

Erst durch die Arbeit mit meinem inneren Kind habe ich verstanden: Dieser Satz war nie die Wahrheit über mich. Er war eine Schutzmaßnahme, die ihre Zeit gehabt hatte.

Woran du deinen eigenen Glaubenssatz erkennst

Nicht jeder kritische Gedanke ist ein Glaubenssatz. Manche Einschätzungen stimmen einfach. Ein hinderlicher Glaubenssatz hat aber Merkmale, an denen du ihn ziemlich sicher erwischst:

Er kennt keine Ausnahme. „Immer“, „nie“, „typisch ich“. Kein Gedanke, der wirklich stimmt, muss so absolut auftreten.

Er ist schneller da als die Situation. Du hast noch keinen Satz gesagt – er hat schon geurteilt.

Er fühlt sich vertraut an, nicht wahr. Das ist ein Unterschied, den kaum jemand macht. Vertraut heißt nur: oft gedacht.

Er macht dich klein, nicht klar. Nach „Das kann ich noch nicht“ fühlst du dich sachlich. Nach „Das wird wieder peinlich“ fühlst du dich winzig. Genau dieses Gefühl ist dein Kompass.

Fünf Schritte, mit denen du anfangen kannst

Kein Zehn-Punkte-Programm. Fünf Schritte, in deinem Tempo. Es reicht, heute den ersten zu gehen.

1. Schreib den Satz wörtlich auf.
Nicht „ich fühl mich unsicher“. Sondern genau das, was in deinem Kopf läuft: Wenn mich alle anschauen, fängt meine Stimme an zu zittern. Ein Gedanke, der schwarz auf weiß dasteht, ist plötzlich angreifbar. Vorher ist er nur groß.

2. Frag: Stimmt das – oder ist es nur vertraut?
Gab es eine einzige Situation, in der dieser Satz nicht zutraf? Meistens findest du eine. Eine reicht. Damit wird aus einem Naturgesetz wieder eine Behauptung.

3. Frag: Wann hat sich das zum ersten Mal so angefühlt?
Du musst die Szene nicht finden. Es reicht zu wissen: Dieser Satz ist irgendwann entstanden. Er war nicht schon immer da.

4. Sammle Gegenbeweise.
Drei Situationen, in denen es anders lief. Aufschreiben. Dein System glaubt Erlebnissen mehr als guten Vorsätzen.

5. Formuliere einen ehrlichen neuen Satz.
Nicht „Ich bin die selbstbewussteste Frau der Welt“ – das nimmt dir keine Zelle ab. Eher: Ich darf auffallen. Ich übe gerade. Und dann wiederholen. Nicht denken – erleben.

Ein kleiner Trick zwischendurch: Sprich deinen alten Satz einmal laut mit einer albern hohen Stimme aus. „Das. Wird. Wieder. Peinlich.“ Das macht dein Thema nicht kleiner. Es nimmt dem Satz nur für einen Moment die Schwere – genug, um ihn dir in Ruhe anzusehen.

Du musst hier gar nichts – du darfst

Manche Sätze lösen sich schon dadurch, dass du sie erkennst und ehrlich hinterfragst. Die fünf Schritte oben reichen dafür oft aus.

Andere sitzen tiefer. So wie das Klavier. Dann hilft es, dorthin zu schauen, wo der Satz entstanden ist, statt oben am Symptom zu arbeiten. Genau da setze ich im Coaching an, zum Beispiel mit innerer Kind-Arbeit. Was zählt, ist nicht die Methode. Was zählt, ist das Gefühl danach: dass es leichter wird.

Du musst nicht an einem Wochenende dein ganzes Innenleben sortieren.

Ein einziger erkannter Satz reicht schon für die wichtigste Erfahrung überhaupt: Ich bin dem nicht ausgeliefert. Ich kann da hinschauen. Ich kann das verändern.

Fang heute mit einem einzigen Satz an. Schreib ihn auf. Frag ihn, woher er kommt.

Mehr braucht es nicht für den Anfang.

Und falls du merkst, dass du bei einem bestimmten Satz tiefer graben möchtest: Ich habe dafür eine ausführlichere Übung, mit der du deinen Glaubenssatz von allen Seiten betrachtest und Schritt für Schritt in einen stärkenden Gedanken umwandelst. Lade dir mein kostenfreies Workbook herunter, in dem du genau das findest LP Redeangst – kristina-haberkorn.de.

Herzlichen Gruß,

Deine Kristina

Über die Autorin

Kristina Haberkorn ist NLP Master und NLP Practicioner Coach und unterstützt Menschen, die Neues erleben und erreichen wollen mit Methoden aus der kognitiven Verhaltenstherapie, Hypnosetherapie und Gesprächstherapie. Sie ist unter anderem Expertin für das ganzheitliche Überwinden von Redeangst, für eine selbstbestimmte starke Gefühlswelt und das Erreichen WERTvoller Ziele.

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